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Epitaphe erzählen Geschichte

Der Münnerstädter Restaurator Stefan Lochner hat in seinem Vortrag über die Epitaphe der Stadtpfarrkirche das Interesse daran geweckt, diese Erinnerungs- und Grabmäler einmal näher zu betrachten.

Im Rahmen der Reihe „Schatzkästlein Maria Magdalena“ stellte der Münnerstädter die Restaurierungsarbeiten an diesen Kunstwerken vor und berichtete über dargestellte Personen. Somit war der Vortrag vor rund 100 Zuhörerinnen und Zuhörern auch ein Ausflug in die örtliche Stadtgeschichte.

Epitaphe seien Erinnerungsmale an Verstorbene, erläuterte Stefan Lochner. Die Gedenktafeln im Kircheninnern waren dem Adel vorenthalten. Wer nicht dem Adel zugehörig war, aber zu den Honoratioren der Stadt zählte, konnte zumindest einen Platz an der Außenwand der Stadtpfarrkirche finden. Bis heute findet sich an der Außenseite eine solches Erinnerungsmal des  einstigen Pfarrers Andreas Blatt, der als Figur im Heimatspiel im Münnerstädter Gedächtnis erhalten geblieben ist.

Der Epitaph einer Patrizierfamilie, Martin und Sophia von Burdian  (gest. 1572 und 1606), hat auch ohne Adelslinie ihren Weg ins Kircheninnere gefunden. Ursprünglich war diese sehenswerte Steintafel jedoch ebenfalls an der Außenseite der Kirche angebracht und wurde in der Neuzeit zum Schutz vor Verwitterung ins Gotteshaus geholt.

Stefan Lochner verwies auf die Wappen, die in die Epitaphe gemeißelt sind. Damit wird der Adelstand der darauf Verewigten belegt. Bis zu den Großeltern und einmal sogar bis zu den Urgroßeltern sind die Wappen aufgeführt. Der Epitaph des Karl von Schaumberg (gest. 1578) - er war zwei Jahre bischöflicher Amtmann im Ort -  zeigt insgesamt 16 Wappen.

Die Tafel von Sylvester von Schaumberg (gest. 1534) erinnert an einen adligen und einflussreichen Ritter. Er war Amtmann der Stadt und gehörte dem Ritterstand an. Sylvester von Schaumberg gilt als Unterstützer Martin Luthers, erläuterte Stefan Lochner. Luther erhielt von Schaumberg ein Schutzangebot für den fränkischen Raum. Trotzdem folgte Schaumberg im Bauernkrieg dem Ruf des Bischofs, der ihm nach dem Krieg wieder als Amtmann in Münnerstadt einsetzte. 

Nicht gesichert ist, wer die Epitaphe gearbeitet hat. Doch dank vorhandener Steinmetzzeichen gebe es Hinweise auf die Bildhauer, erläutert Stefan Lochner. Beim Epitaph von Sylvester von Schaumberg ist das Monogramm BF zu finden. In Bundorf (Landkreis Haßberge) habe zu dieser Zeit der Steinmetz Bernhard Friedrich gewirkt. Gut möglich, dass er der Erschaffer sei. 

Im Epitaph von Karl von Schaumberg, Sohn des Sylvester, findet sich das Monogramm WE. Es könnte nach Ansicht Lochners auf die Bildschnitzerfamilie Emes hinweisen, in diesem Fall auf Wolf Emes. Dieser könnte laut Wikipedia der Vater oder Lehrer von Julius Emes sein, einem in ganz Unterfranken bekannten Künstler, der auch in Münnerstadt gewirkt hat.

Natürlich berichtete Stefan Lochner von seinen vielen Stunden der Reinigung und Konservierung der Kunstwerke. So war die Stirnpartie des Sylvester von Schaumberg über die Jahrhunderte locker geworden und drohte herabzufallen. Die Nase war teilweise abgesplittert und wurde nachgebildet. Fehlstellen am Stein seien nur dort ergänzt worden, wo sie optisch störend gewesen sind, so Stefan Lochner. Dass diese Praxis schon vor Jahrhunderten angewendet wurde, könne man am Epitaph von Carl von Heßberg sehen, berichtete der Referent weiter. Hier erkenne der Fachmann, dass wohl schon der Künstler selbst eine schadhafte Stelle am Bart nachgebessert hat.

P. Markus Reis bedankte sich bei Stefan Lochner für die vielen neuen Informationen. „Man sieht nur das, was man kennt“, betonte P. Markus. Er sei sich sicher, dass nach diesem Vortrag viele Menschen die Epitaphe ganz neu wahrnehmen werden. Man habe im Vortrag gespürt, mit wieviel Sorgfalt und Liebe Stefan Lochner seine Arbeit in der Stadtpfarrkirche getan habe.