Die 18 Prozessionsstangen, die in Münnerstadt vorhanden sind (zwei davon aktuell als Dauerleihgaben im Museum, die übrigen 16 in der Kirche), können sich laut Zenzen zwar nicht mit den bedeutenden Kunstwerken in der Kirche messen, seien aber doch ein einzigartiger Schatz, wie man ihn nur an wenigen Orten in diesem Umfang und diesem homogenen Erscheinungsbild findet, erläuterte Zenzen.
Im gut besuchten Vortrag erklärte Nicolas Zenzen zu erst allgemeine Dinge zum Hintergrund der Zunftstange: über die Zünfte und ihre Bedeutung im Laufe der Geschichte, über die Entstehungszeit der Stangen ab dem späten 17. Jahrhundert; dies war die Zeit, in der die Augustiner die Pfarrei übernahmen und im Geist der Gegenreformation zur Förderung der Volksfrömmigkeit religiöse Bruderschaften und kirchliche Feste mit prunkvollen Prozessionen förderten.
Zenzen informierte über die Restaurierungen im Laufe der Zeit, wodurch die Stangen auch verändert wurden. Danach ging er auf die einzelnen Stangen mit ihren Darstellungen und der Zuordnung zu den Berufszweigen ein.
Die Prozessionsstangen kamen einst bei kirchlichen Prozessionen, etwa an Fronleichnam oder in Münnerstadt an Mariä Geburt, bei Wallfahrten, aber auch bei Umzügen zu spezifischen Zunftfesten oder dem Hochzeits- oder Leichenzug eines Zunftmitglieds zum Einsatz. In der Regel zeigen sie den Schutzheiligen der jeweiligen Zunft oder einen Engel sowie das Zunftzeichen.
Außerhalb der Verwendung bei Prozessionen waren die Stangen in der Kirche aufgestellt und präsentierten die Zünfte dadurch dauerhaft in der Öffentlichkeit. Aktuell stehen sie rechts und links seitlich im Chorraum. Sie waren in den vergangenen Jahrzehnten immer in der Kirche aufgestellt, aber an unterschiedlichen Stellen, so Zenzen in seinem Vortrag.
Bei der Zuordnung der Stangen zu den Berufszweigen geben die kleinen wappenförmigen Schilder, die an den Stangen angebracht sind, durch Bilder, teilweise auch Beschriftungen, mehr oder weniger eindeutige Hinweise. Auch die dargestellten Heiligen helfen weiter. „Dennoch ist es nicht immer ganz einfach, die Zuordnung sicher vorzunehmen“, betonte der Nicolas Zenzen. Teilweise sei schon die Identifizierung der Heiligenfiguren nicht ganz sicher, zumal wenn im Laufe der Zeit etwa mal die Attribute ausgetauscht wurden.
Dann sind die Patronate der Heiligen zu Berufsgruppen selten eindeutig: Ein Heiliger kann Patron vieler Berufe sein, und umgekehrt kann ein Beruf regional oder historisch ganz unterschiedliche Schutzheilige haben. Und eine Zunft konnte sich auch ganz individuell eine bestimmte Heiligengestalt für ihre Stange auswählen, ohne dass es dafür ein Vorbild gegeben hat, so zum Beispiel im Fall des hl. Erzengels Michael und der hl. Elisabeth von Thüringen, die vermutlich die Zünfte der Weber sowie der Manger und Schneider repräsentierten.

